Rost, Lack und Schweiß

Da waren wir nun, unser Justus und wir. Daheim in Stuttgart haben wir angefangen zu überlegen, was alles gemacht werden muss und uns eine damals noch kleine To-Do-Liste für die Restauration geschrieben. 

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Wir hatten geplant im Sommer für zwei bis drei Wochen nach Hamburg (oder besser gesagt in das kleine Örtchen Horst) zu meinen Eltern zu fahren, da mein Vater dort eine kleine Werkstatt hat und selber Oldtimer restauriert. Doch schnell merkten wir, dass wir alleine in Stuttgart nicht so wirklich vorankommen. So beschlossen wir kurzerhand, den “Urlaub” vorzuverlegen und fuhren am 20. Mai 2017 gen Norden. So konnten wir Justus auch gleich mal auf langer Strecke testen – neun lange Stunden dauerte die Fahrt. Mit rund 90 km/h kommt man halt nicht allzu schnell voran, aber genau das wollen wir ja auch. 

Der Lack muss ab

Die erste Reaktion von meinem Vater werden wir wohl nicht vergessen: “Ohhhhhha, da tut ihr mir aber was an!”. Naja, erstmal ankommen und eine Nacht schlafen. Am nächsten Tag ging es dann früh in die Werkstatt und gleich drauf los. Mal schauen was sich unter dem Lack versteckt. Unerschrocken ging mein Vater mit einem groben Werkzeug auf unseren Bus los, da mussten wir schon etwas schlucken. Erstmal haben wir die Nahtstellen freigelegt und festgestellt, alles halb so schlimm. Der Rost hielt sich tatsächlich, bis auf ein einige Stellen, in Grenzen. Mein Vater, sichtlich erleichtert. Unseren Plan, nur ein paar Stellen neu zu lackieren, löste sich dann trotzdem nach und nach in Luft auf, je mehr Lack wir runter kratzten. Es hatte keinen Sinn nur auszubessern, der gute Justus brauchte eine Generalüberholung.

Die Restauration beginnt.

Eine schweißtreibende Angelegenheit

Das ganze Prozedere zog sich dann ganz schön hin und die Schleifmaschine stand kaum still. Bei 30 Grad und strahlendem Sonnenschein eine ziemlich schweißtreibende Angelegenheit. Wir konnten selber kaum glauben, dass es solch ein Wetter gibt im hohen Norden. Nebenher kümmerten wir uns um zugekleisterte Beulen und schweißten hier und dort Löcher zu. Nach und nach wurde die Haut von Justus immer glatter und war nach dem Abbau diverser Teile, jeder Menge Grundierung und Abgeklebe nach einer Woche bereit für die neue Lackierung. Diese entpuppte sich dann auch als große Herausforderung, da die Werkstatt eher für kleine englische Autos ausgelegt ist und unser Dicker gerade so hineinpasste. Ich konnte meine Fähigkeiten in präzisem Einparken auf jeden Fall ausbauen. 16 Spraydosen und 16 Liter Schweiß später, erstrahlte unser Justus in neuem Glanz. Wir waren stolz wie Bolle und froh, dass dieser Part endlich geschafft war.

Justus nach der ersten Lackierung.

Back to the roots

Um endlich durch die Oldtimer-Prüfung zu kommen, musste nun einiges an modernem Schnickschnack aus dem Bussle raus. Digitaluhren, Temperaturanzeige, Rückfahrsensoren, Rückfahrtkamera inkl. Bildschirm, CD-Wechsler, Lampen und Telefon!! fielen uns zum Opfer. Auch musste die Klimaanlage raus. Nach einigen mühevollen Diskussionen löste sich der Kleber schlussendlich vom Dach und Licht strömte in unseren Bus. Wir entschieden uns an die Stelle wieder das ursprüngliche Dachfenster einzubauen. Doch wie immer funktionierte auch hier nichts so wie geplant und wir brauchten erst neue Schrauben und Ideen bis alles passte. Auch entschieden wir uns dafür, die alte Markise zu entfernen, da sie einfach zu schwergängig und groß für uns war.

Der große Tag

Nun war es endlich soweit, nach zehn Tagen und rund 100 Stunden Arbeit, fuhren wir voller Vorfreude und heftigem Herzklopfen zur DEKRA. Doch dann die Ernüchterung, wir kommen nicht durch. Für das H-Kennzeichen waren alle Punkte erfüllt, doch die Bremsbelege waren runter, der Wärmetauscher der Heizung musste erneuert werden und aus dem Radkasten fielen dem Prüfer Teile entgegen. Und das, obwohl der Dicke erst vor einem Monat durch den TÜV kam – wer da wohl wen bestochen hat?!

Unter Justus ist einiges zu tun

Was nun? Bis zu unserer Abreise waren es nur noch vier Tage und wir wollten gerne alles im Norden fertigstellen. Die Teile für die Bremse waren schnell bestellt und ein Termin für die Heizung nach einiger Telefoniererei doch noch kurzfristig zu bekommen, wenn wir die Heizung selber ausbauen. Also schnell unter das Auto und ran an den Speck. Nach einiger Fummelei war die Heizung raus und konnte zum Bosch-Service. Die Bremsen stellten uns dann mal wieder vor einige Probleme und stahlen uns die Zeit. Alles nicht so einfach, wenn man es zum ersten Mal macht. Auch die einzuschweißenden Stellen wurden gefühlt immer größer. Wir sind noch immer sehr froh darüber, dass mein Vater da ein Händchen für hat. Doch wurden die Tage immer länger und die Nächte kürzer. Es muss schon ulkig ausgesehen haben, wie wir im Flutlicht unter unserem Bus herumgekrochen sind.

Jetzt oder nie

Passend zur Stimmung, goss es am nächsten Morgen in Strömen – welch ein Spaß war es, die Reifen wieder aufzuziehen. Da mussten wir nun durch und tiptop in Schale geworfen ging es zu unserem zweiten Versuch. Der Prüfer staunte nicht schlecht, uns so schnell wiederzusehen. Die Spannung war kaum auszuhalten und ganz nebenbei fielen die entscheidenden Worte: “Jo, passt alles”. Wir erinnern uns noch heute gerne an unsere Freudensprünge, die wir auf dem Parkplatz machten. All die Arbeit hat sich endlich gelohnt und der Stress war erstmal vorbei – naja, bis es in Stuttgart mit dem Innenausbau weiterging. Wie das so war, lest ihr hier.

Endlich haben wir das H-Kennzeichen

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