Dänemark — Wenn Erwartungen übertroffen werden

Die Überfahrt nach Dänemark ist natürlich ziemlich unspektakulär. Ein Schild auf der Straße weist auf das neue Land hin, aber ändern tut sich erstmal nicht viel. Aber für uns ist es ein tolles Gefühl. Wir sind jetzt richtig unterwegs und der Länderwechsel stimmt uns froh. Der Süden von Dänemark ist ziemlich deutsch geprägt. Alle Schilder sind zweisprachig und auch die Landschaft scheint erstmal nicht sonderlich abwechslungsreich zu sein.

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Dänemark: No Camping

In Park4Night wird ein Stellplatz direkt am Strand aufgeführt. Da wollen wir hin. Plötzlich stehen wir aber mitten auf dem Strand. Das scheint hier in Dänemark ganz normal zu sein. Überall um uns herum andere Autos und Wohnmobile. Ich finde es etwas befremdlich mit seinem Auto direkt ans Wasser zu fahren und auf dem Sand zu stehen – ich finde das gehört sich nicht. Sonderlich wohl fühle ich mich hier nicht wirklich. Auch dass ein Schild gleich an der Zufahrt darauf hinweist, dass man hier nicht campen darf, macht meine Stimmung nicht besser. Ich möchte woanders hin.

Wir machen uns also nochmal auf den Weg, um einen schönen Platz zu finden. Fahren in kleine Straßen und Wege hinein. Doch es stehen wirklich überall Campingverbotsschilder. Ich hatte vorher schon gelesen, dass es mit dem Wildstehen in Dänemark so eine Sache ist. Dass diese Schilder nun wirklich überall stehen, überrascht und irritiert mich. Ich fühle mich etwas unerwünscht hier. Wir fahren ewig durch die Gegend. Auch dass wir ständig durch Militär-Übungsgebiete fahren, erzeugt ein leicht mulmiges Gefühl bei uns. Ob wir je einen Platz finden? Doch irgendwann soll es so sein. Wir fahren in einen Waldweg, der zu der höchsten Düne Dänemarks führt, das Gebiet nennt sich Blåbjerg Plantage. Es gibt dort einen kleinen Parkplatz mit Picknicktischen. Hier fühlen wir uns wohl, hier bleiben wir. Hoffentlich wird das jetzt nicht jeden Abend so nervig.

Erstes Frühstück in Dänemark

Neue Pläne müssen her

Der nächste Morgen weckt uns mit wunderbarem Wetter. Wir gehen erstmal eine Runde joggen und werden dabei von einem Reh auf dem Weg froh gestimmt. Ach es ist so schön in der Natur zu sein. Als wir zurückkommen und uns unser Frühstück machen, versammelt sich eine große Gruppe Rentner um uns herum. Die meisten gekleidet in farbenfrohen Trainingsanzügen. Gemeinsam gehen sie wohl hier in der Gegend wandern. Nachdem sie zurückkommen, breiten sie alle Kaffee, Tee und Brötchen aus und machen gemeinsam ein gemütliches Frühstück und tratschen. Es ist so schön das bunte Treiben mit anzuschauen. So möchte ich das auch haben, wenn ich alt bin.

Eigentlich wollen wir los. Aber unser Justus steht mit dem Auspuff direkt zu deren Tischen gerichtet und wir wollen sie nicht voll qualmen. Leider ein kleines Manko vom lieben Justus. Beim jeden Start entsteht erstmal eine riesengroße Abgaswolke – tja altes Auto halt. Also warten wir auch und genießen die Sonne. Wir fangen auch an unsere Route etwas zu planen. Eigentlich war die Idee rüber an die Ostküste nach Grenaa zu fahren und von dort die Fähre nach Varberg südlich von Göteborg zu nehmen. Dort wollten wir eine Freundin besuchen und weiter die schwedische Küste hoch bis nach Oslo.

Da wir dann aber doch länger bei meinen Eltern waren als geplant, wurde der Zeitplan etwas enger. Eigentlich haben wir ja alle Zeit der Welt, allerdings sind wir an Pfingsten in Trondheim mit unseren Freunden verabredet. Unser jährliches Freude-Treffen wurde dieses Mal an unsere Route angepasst. Wir wollen uns auf dem Weg in den Norden nicht zu sehr hetzen und entscheiden dann schweren Herzens erstmal auf Schweden zu verzichten und die Fähre von Dänemark direkt nach Norwegen zu nehmen.

Zurück nach 29 Jahren

Heute wollen wir auf die Spurensuche meiner Kindheit gehen. Von klein auf war meine Mutter mit uns und den Müttern und Kindern aus der Krabbelgruppe jedes Jahr in Dänemark. Gemeinsam mieteten sie immer ein großes Ferienhaus in Hvide Sande. Dieses wollten wir nun suchen. Erinnern konnte ich mich natürlich nicht mehr, schließlich war ich damals noch ziemlich kein. Aber als wir an den Strand fahren, an dem wir immer waren, wird mir ganz warm ums Herz. Es ist ein toller Ort und ich fühle mich wohl hier. Die hohen Dünen und das wilde, trockene Gras ist einfach atemberaubend. Liebe auf den ersten Blick. Wir machen einen Spaziergang und ein kleines Nickerchen in den Dünen, springen und tollen durch den Sand. Wir wollen hier gar nicht mehr weg. Leider kann man hier nicht so gut stehen, also suchen wir uns für den Abend einen anderen Stellplatz. Auf dem Weg zurück finden wir dann auch das Ferienhaus von damals.

Hier war ich oft als Kind: Hvide Sande

Das Ferienhaus von damals

Ein Stück weiter in den Norden, in Ringkøbing, gibt es einen Kitespot, da soll man gut stehen können. Und ja, es ist echt ein super Platz. Es gibt sogar ein mega schönes und sauberen Toilettenhäuschen und kleine Hütten, in denen man einfach übernachten kann. Gebaut von einer Institution für die Leute hier. Wir sind total begeistert, dass es Leute gibt, die so schöne Orte ermöglichen. Wir schauen zwei Kitesurfen zu, mit denen wir später auch ins Gespräch kommen. Es sind Deutsche, die hier jedes Jahr mit ihren Familien Urlaub machen. Später gibt es ein gemeinsames Bierchen und nette Gespräche. Nach dem Abendessen läuft uns nochmal ein Deutscher über den Weg: Michael. Er wohnt seit 15 Jahren hier in Dänemark und fühlt sich pudelwohl. Mit ihm verbringen wir den Rest des Abends, tauschen uns aus und erfahren einiges über Land und Leute.

Der Abend am Kitespot bei Ringkøbing

Meine Schwester und ich damals in Dänemark.

Meine Schwester und ich damals in Dänemark.

Ein Traum von einem Strand

Die nächsten zwei Tage verbringen wir an einem traumhaften Ort: Bulbjerg bei Frøstrup. Als wir diesen Platz ansteuerten, erwarteten wir nicht viel. Doch es war ein Traum. Ein kleiner Kiesplatz direkt neben den Dünen und dem Strand. Wir waren die meiste Zeit mutterseelenallein. Der Strand ist der Wahnsinn. Weißer Sand und weiße Felsen im glasklaren Wasser. An der Seite verrückte Steinformationen mit einem Haufen Möwen. Und dazu fast 30 Grad. Besser könnte es nicht sein. Wir laufen immer wieder verblüfft durch die Dünen und am Strand entlang und können einfach nicht glauben, dass das hier Dänemark ist. In meiner Vorstellung war es eher etwas langweilig. Aber dieser Ort ist magisch. Wir bekommen das Grinsen nicht mehr aus unseren Gesichtern.

Unser schöner Platz am Strand Bulbjerg

Mark nutzt das gute Wetter fürs Wäschewaschen. Ich backe mal wieder Brot. Möglich durch den Omina „Backofen“. Eine tolle Erfindung, die den Campingalltag echt bereichert. Der nächste Tag überrascht uns mit extrem starken Wind. Es ist eisig kalt und wir verzeihen uns lieber in den Bus. Wir breiten alle Decken auf dem Boden aus und schauen einen Film. Es ist so super gemütlich und wir freuen uns mal wieder über unseren Bus und überhaupt die Entscheidung losgefahren zu sein.

Sand und Wind – überall

Den Abend vor der Überfahrt nach Norwegen verbringen wir in der Nähe von Hirtshals, da wir ziemlich früh raus müssen und am Morgen dann nicht mehr weit fahren wollen. Wir finden einen spektakulären Platz an einer Steilklippe unweit der größten Wanderdüne Europas (Rubjerg Knude). Eigentlich wollten wir am Vortrag grillen, da es aber so kalt war, haben wir darauf verzichtet. Jetzt will ich es unbedingt nachholen. Dass es doch ziemlich windig ist, blende ich erstmal aus. Auch Marks Einwände ignoriere ich. Ich will grillen, jetzt.

Wir haben dann auch ziemliche Probleme das Feuer zum Brennen zu bekommen. Und so richtig heiß wird auch nichts. Der Wind nimmt zu und wir kauern uns um den kleinen Grill. Als wir dann beim Essen merken, dass das komplette Grillgut von einer leichten Sandschicht bedeckt ist, muss auch ich zugeben, dass es eher eine mittelgute Idee war. Die letzten Happen verspeisen wir dann im Bus.

Die Wanderdüne im Hintergrund

Ob wir wohl umkippen?

Der Wind nimmt extrem zu und wir parken noch ein paar Mal um, damit der Bus nicht so wackelt. Aber irgendwie gibt es keinen perfekten Platz. Dann leuchtet plötzlich die Kühlmittelanzeige auf. Sie hatte sich im Laufe des Tages schon ein paar Mal gemeldet, es hatte sich dann aber alles wieder normalisiert. Wir wollen lieber jetzt nachschauen und nachschütten, als am nächsten Morgen um sechs. Das ist beim LT aber leider nicht ganz so schnell getan. Erst muss der Beifahrersitz raus, dann die Motorabdeckung und -klappe, was auch immer ein ziemlicher Kraftakt ist. Bei dem Wind war’s besonders lustig. Der Sand von der Düne war einfach überall. Wir konnten irgendwann sogar nicht mehr richtig durch die Scheiben schauen. Selbst in der Dachbox hat sich der Sand gesammelt.

Irgendwann war dann aber alles nachgefüllt und wieder zusammengebaut und wir im Bett. Aber schlafen konnten wir einfach nicht. Der Bus wurde die ganze Zeit durchgeschüttelt und uns war ziemlich unwohl bei der Sache. Klar, so ein Bus kippt nicht so leicht um, aber die Vorstellung bekamen wir trotzdem nicht aus dem Kopf. Wir entschieden uns dazu nochmal umzuparken. Schnell finden wir einen Rastplatz direkt an der Straße, geschützt von Bäumen. Hier war es ruhig und wir konnten endlich schlafen.

Nach 5 Tagen in Dänemark und mit einem lachenden und einem weinenden Auge ging es dann auf die Fähre. Dänemark hat uns total überrascht. Wir haben uns echt in dieses Land verliebt und es war sicher nicht unser letzter Besuch.

Unsere Fähre nach Norwegen

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