Finnland — Lappland — Wald, Wasser, Wildnis

Am 14. Juli kommen wir in Finnland an – Land Nummer fünf. So schön Norwegen auch war und wie sehr wir es nach der langen Zeit in unsere Herzen geschlossen haben, freuen wir uns jetzt auf etwas Neues. Andere Landschaften, andere Sprache und andere Menschen. Wir sind gespannt, wie es hier wird. 

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Neue Welten entdecken

Über Finnland hatten wir uns vorher noch nie viele Gedanken gemacht. Es scheint so ein wenig die kleine Schwester von Norwegen und Schweden zu sein. Eine richtige Ahnung was uns hier erwartet haben wir also nicht. Von viel Wald, Einsamkeit und Wasser haben wir gehört. Also los in das neue Abenteuer.

Und kaum in Finnland angekommen, bestätigt sich auf jeden Fall das erste Vorurteil. Es gibt hier sehr viel Wald und Einsamkeit. Die Straßen sind lang und gerade, links und rechts gibt es Bäume und kein einziger Berg weit und breit. Will man jetzt fies sein, könnte man sagen, dass es ziemlich langweilig ist. Im Vergleich zu Norwegen, hat es diese Landschaft aber auch echt schwer. Kamen wir dort bei jeder Fahrt kaum aus dem Staunen heraus und schauten stets aus dem Fenster und entdeckten pausenlos neues, hat man hier nach kurzer Zeit das Gefühl schon alles entdeckt zu haben. Lange habe ich als Beifahrer nicht mehr so viel geschlafen. 😉

Fiese Viecher

Aber uns gefällt es trotzdem. Diese Ruhe und Unaufgeregtheit der Natur ist schön und einfach mal etwas ganz Neues für uns. Und die Rentiere, die hier wirklich alle 100 Meter auf der Straße herumstehen, bieten dann doch hin und wieder eine kleine Abwechslung.

Unser erster Platz ist dann auch schnell gefunden. Bei dem Örtchen Kaamanen stehen wir an einem großen Fluss, mitten im Wald. Ach ja, plötzlich ist auch hier der Sommer ausgebrochen. Von heute auf morgen ist es warm bzw. heiß und ich kann endlich mal meine Kleider hervorkramen.

Am Abend bestätigt sich dann leider auch das zweite Vorurteil. Es gibt Mücken hier. Und davon mehr als genug. Leider hilft auch jegliches eincremen und unser Lagerfeuer nichts. Die Viecher umzingeln uns und greifen uns regelrecht an. Nachdem wir noch irgendwie tänzelnd unser Stockbrot über dem Feuer fertig backen, flüchten wir so schnell es geht in den Bus und verschanzen uns. Ach man, das ist echt schade. Endlich ist es mal warm und wir könnten draußen sitzen. 🙁

Stehend, fließend, plätschernd: Wasser überall

Weiter geht es nach Inari. Auf dem Weg dorthin begegnen wir dann mal wieder einer Herde Rentiere, diesmal stehen sie vor einem geschlossenen Gebäude, haben wohl vergessen, dass Sonntag ist 😉 Auf jeden Fall ist es immer wieder lustig zu sehen, wie normal das hier oben ist, wie es einfach zum Leben hier in Lappland dazu gehört.

Eigentlich wollten wir heute in den Lemmenjoki Nationalpark. Aber Regen und Gewitter sind angesagt, also doch lieber auf morgen verschieben. Stattdessen suchen wir uns einen Platz am Wasser, denn das – Vorurteil Nummer drei – gibt es hier zur Genüge. Es ist fast unmöglich nicht am Wasser zu stehen. Für uns ist das super, denn es ist warm, sehr warm und die Möglichkeit uns immer mal wieder abzukühlen ist so natürlich genial.

Reindeers on the beach

Der Platz, an dem wir stehen, ist irgendwie verrückt. Es ist ein Wald, an den sich direkt ein Sandstrand anschließt. Gefällt mir. Nachdem am Nachmittag das Gewitter über uns gezogen ist, können wir bald wieder draußen sitzen und lernen am Abend dann noch eine Gruppe Schweizer kennen. Zwei Pärchen die hier mit ihrem Wohnmobil Urlaub machen. Sie sind so super nett und wir verbringen einen schönen Abend gemeinsam am Strand, mit unserem ersten Sonnenuntergang nach so langer Zeit.

Ich scherze noch so: “Mensch, jetzt wäre die Krönung natürlich noch, wenn hier direkt am Wasser ein paar Rentiere lang laufen würden.” Und ehe ich mich versehe, passiert genau das. Seelenruhig kommen drei Rentiere aus dem Wald, galoppieren am Wasser entlang, um auf der anderen Seite wieder im Wald zu verschwinden. Wir trauen unseren Augen nicht – willkommen in Finnland.

Ja, hier gibt es Bäume

Heute steht dann unsere Wanderung an. Der Lemmenjoki Nationalpark soll es werden. An Auswahl fehlt es uns hier nicht, über 40 Nationalparks gibt es in Finnland. Mal sehen, wie viele wir noch entdecken werden. Die Wanderung geht dann, wie soll es auch anders sein, durch den Wald. Ja und viel anderes kommt dann auch nicht. Wir schwanken immer wieder zwischen “naja nett” zu “echt cool so eine ruhige Landschaft”. Bis zum Schluss sind wir uns nicht so richtig sicher, wie wir es finden sollen.

Noch frisch und motiviert für die Wanderung

Zumindest Schatten bekommen wir von den Bäumen. Und wie gut das ist, merken wir dann, als wir auf den “Berg” des Nationalparks laufen. Ganze 500 Meter ist er hoch, aber ohne jeglichen Baum. Haben wir sie eben noch verflucht, wünschen wir sie uns jetzt wieder zurück. Die Sonne brennt auf der Haut und wir kommen richtig ins Schwitzen. Der Ausblick von oben entschädigt dann aber wieder schnell. Wir schauen auf Bäume, richtig. Aber die Menge und Dichte an Wald ist einfach unvorstellbar schön. Selten habe ich so viel pure, unberührte Natur gesehen.

Der einzige Baum weit und breit 😉

Wir sind ganz schön platt. Solche Temperaturen sind wir überhaupt nicht mehr gewohnt. Herrschte solch ein Wetter schon lange in Deutschland, hatten wir im Norden vor rund zwei Wochen noch Schnee und Eis. Am Ende des Tages sind wir dann knapp 24 Kilometer gelaufen, eindeutig zu viel. Aber Spaß hat es trotzdem gemacht. Besonders die Flussüberquerung: mit einem Boot an Seilen mussten wir uns selber über das Wasser ziehen. Ziemlich cooles Erlebnis.

Eine Runde Internet

Nach all der Freizeit steht dann langsam auch mal wieder Arbeiten auf dem Programm – und dafür brauchen wir Internet. Das ist dann eine ziemlich geniale Sache hier in Finnland. Für 17,50 Euro bekommen wir eine SIM-Karte mit unbegrenztem Datenvolumen für 31 Tage! Das ist echt der Wahnsinn. Haben wir uns vorher immer ziemlich eingeschränkt und nur das Nötigste im Internet gemacht, drehen wir jetzt komplett durch. Updates werden gemacht, Dropbox und Cloud synchronisiert, Musik und Serien gestreamt. Was in Deutschland immer so selbstverständlich war, ist für uns auf einmal purer Luxus und wir genießen diese neue Möglichkeit in vollen Zügen. Nach nur ein paar Tagen haben wir schon 30 GB verbraucht, Wahnsinn, aber muss ja auch mal sein 😉

So suchen wir uns wieder einen Platz am Wasser, dieses Mal an einem Fluss, dem Ounasjoki. Und Vorurteil Nummer vier: finnische Worte sind unaussprechlich. Konnten wir uns in Norwegen und Schweden in der jeweiligen Landessprache noch einigermaßen verständigen, haben wir hier keine Chance mehr. Finnisch ist eine krasse Sprache und wird für uns wahrscheinlich immer ein Rätsel bleiben.

Arbeit, Wasser, Arbeit, Wasser

So bleiben wir die nächsten zwei Tage hier und arbeiten, bis wir weiterziehen und einen neuen Platz einige Kilometer weiter am gleichen Fluss finden. So lässt es sich leben. Mittlerweile ist das Thermometer auf über 30 Grad geklettert und zu sonderlich vielen Aktivitäten sind wir eh nicht in der Lage. Kaum zu glauben, dass es auch hier oben in Lappland! so warm wird. Aber diese Hitzewelle, die derzeit über Europa zieht, ist ja eh nicht normal. Wir genießen es und suchen jede Stunde die Abkühlung im Fluss. Ich liebe dieses Leben!

Im Bus drinnen wohlgemerkt!

Am Abend gesellt sich dann ein wunderschöner VW T3 zu uns auf den Stellplatz. Wir lernen Monica und Yves kennen. Die beiden sind seit zwei Monaten gemeinsam mit ihren beiden Hunden wie wir in Europa unterwegs. Sie haben in Bern alle Zelte abgebrochen und sind im Mai losgezogen, um ihr Leben im Van zu verbringen. Durch Deutschland, Polen, Litauen, Lettland und Estland sind sie hier hergekommen und sind weiter Richtung Norden unterwegs. Sie sind super süß und so verbringen wir zwei Tage gemeinsam auf diesem Platz, bis es uns weiter zieht in jeweils unterschiedliche Richtungen.

Yves, Monica, Mia & Spella

Wir steuern Rovaniemi an, das Herz Lapplands. Und warum wir dort mehr Zeit verbrachten als geplant, werden wir euch bald an gleicher Stelle mitteilen.

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