Norwegen — Narvik bis Nordkapp — Wenn es nicht mehr weiter geht

Nach unserem Abstecher nach Schweden wollten wir auf jeden Fall nochmal zurück nach Norwegen. Wir planten den Weg über Kiruna und Finnland zu nehmen, um nicht dieselbe Strecke wieder zurückfahren zu müssen. Doch da unser Gastank so gut wie leer war und es hier im Norden von Schweden weit und breit keine LPG-Tankstelle, die erste erst wieder bei Luleå (480 km entfernt) und es in Finnland generell kein LPG gibt, haben wir die einzige Möglichkeit in Narvik, Norwegen. Also doch den gleichen Weg wieder zurück.

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Nicht immer bestimmen wir die Route

Das sind dann halt doch immer mal wieder die “Einschränkungen”, die man durch das Leben im Van hat. Aber das ist auch ok und so wir raffen uns auch endlich mal auf und verlassen Abisko am 8. Juli, nach über zwei Wochen am gleichen Fleck. Wahrscheinlich wären wir mit einem vollen Gastank noch länger geblieben, so heimisch fühlten wir uns mittlerweile hier.

Auf dem Weg nach Norwegen machen wir dann noch einen Großeinkauf kurz vor der Grenze, um von den “günstigen” schwedischen Preisen zu profitieren. Am Ende zahlen wir dann aber doch 900 Kronen (rund 90 Euro). Puh, dabei haben wir doch so gut wie nichts im Einkaufswagen. Ist halt doch nur im Vergleich zu Norwegen günstig und nicht wirklich.

Glück gehabt

Die Tankstelle macht erst am Montag wieder auf, also verbringen wir den Sonntagabend ein kleines Stück vor der Stadt unter einer Brücke – war aber idyllischer als es klingt. Wir genießen es sehr, wieder unterwegs zu sein – endlich wieder etwas Neues sehen und andere Gegenden erkunden. Wir sitzen noch lange einfach da, hören Musik und starren in die wunderschöne, grüne Natur vor unserer Haustür. Richtig, richtig schön. Es ist wieder einer dieser Momente, in dem uns bewusst wird, dass wir genau die richtige Entscheidung getroffen haben mit unserer Reise.

In Narvik bleiben wir dann nicht länger als für den Tankstellenbesuch. Dort haben wir dann aber mal wieder richtig Glück. Wir haben ja keinen Adapter für unseren Gastank, aber direkt vor uns tankt ein Schweizer, der uns seinen kurzerhand ausleiht. Super Timing. Noch ein kurzer Plausch und dann geht es weiter, wieder raus aus der Stadt.

Is des schee

Bei einem kleinen Einkauf beim Rema 1000 lernen wir dann noch zwei Jungs aus Göppingen (bei Stuttgart) kennen. Hach ist das schee mal wieder schwäbisch zu hören und ein wenig über die Heimat zu plaudern. Die beiden sind Schreiner und haben sich kurzerhand ein Hochbett in ihren Arbeitstransporter gezimmert und sind jetzt für ein paar Wochen so im Urlaub. Sieht richtig klasse aus. Sie kommen gerade vom Nordkapp und haben heute einen Fahrtag vor sich, zehn bis elf Stunden wollen sie machen. Wow, das kriegen wir mit Justus nicht hin, vorher fallen uns die Ohren ab 😉

Für uns geht es weiter nach Tromsø. Darauf freuen wir uns schon lange. Da es aber schon spät ist als wir ankommen, verbringen wir die Nacht in einem kleinen Wald, einige Kilometer vor der Stadt. Es ist super schön hier, doch leider machen es uns die Mücken unmöglich draußen zu sitzen. Schade, dabei ist das doch immer das Schönste nach so einem Tag. Naja, dann halt rein und schnell die Tür zu.

Einfahrt nach Tromsø

Stadt, Natur und Möwen

Tromsø begrüßt uns dann mit strahlendem Sonnenschein. Kommt jetzt tatsächlich endlich der Sommer? Wir starten mit T-Shirt und kurzer Hose in den Tag, welch gutes Gefühl. Tromsø überrascht uns mit seiner Größe; ich hätte gedacht es ist viel kleiner. Auch sind wir überrascht über die Natur und das viele Grün inmitten der Stadt. Darin verteilt immer wieder süße, kleine Holzhäuser in Halbhöhenlage. Es ist richtig schön hier. Wir spazieren ein wenig durch die Straßen, etwas abseits der Innenstadt und genießen den Blick über die Stadt.

Später geht es dann aber natürlich noch runter in das Getümmel. Hier entdecken wir dann auch das erste Mal zahlreiche Second-Hand Läden. Es bringt Spaß durch das Angebot zu stöbern; gebrauchen können wir aber nichts. 😉 Nach einem Snack am Hafen, bei dem wir von Möwen umzingelt und fast angegriffen werden, geht es am Nachmittag dann nach einen wunderschönen Tag wieder Heim. 

Wenn sich Meinungen ändern

Zu diesem Zeitpunkt hatten wir eigentlich beschlossen, doch nicht ans Nordkapp zu fahren. Es erscheint uns unsinnig, nur um “da gewesen” zu sein, so viele Kilometer hoch und wieder runter zu fahren. Es reicht uns, dass wir es generell schon so weit in den Norden geschafft haben. Diese Meinung wird sich dann aber am nächsten Tag noch ändern.

An einem wunderschönen Platz bei Storslett sitzen wir bei strahlendem Sonnenschein beim Frühstück mitten in der Natur und planen unsere weitere Route. Wir wollen als nächstes nach Finnland. Unsere gewählte Route würde uns dabei über Alta führen und wir merken, dass es von da “nur” noch 230 Kilometer bis ans Nordkapp sind.

Wir kommen ins Grübeln, wäre es nicht doch doof, kurz vor dem “Ziel” wieder abzudrehen, nur wegen so ein paar Kilometern? Gute Frage. Meistens ist es da doch eh bewölkt, haben wir gehört. Also schauen wir doch mal nach dem Wetter. Und dann, heute und morgen soll es Sonne pur geben, bis zu 20 Grad. Shit und nun? Eine kurze Diskussion beginnt und dann: ok, wir fahren doch hin! Schnell sind wir uns einig. Dann aber heute noch, denn die nächsten Tage soll das Wetter wieder schlechter werden.

Noch ein letztes Mal gen Norden

Es wird unsere längste Strecke, die wir bis dato am Stück gefahren sind: 420 Kilometer. Aber es geht eigentlich ganz gut und Justus schlägt sich wacker. Zehn Stunden sind wir unterwegs. Halten aber auch zwischendurch immer wieder an und machen mehrere Pausen. Und schon auf dem Weg freuen wir uns, doch gefahren zu sein. Die Natur ist der Wahnsinn und die Landschaft ändert sich auf dieser kurzen Distanz nochmals so extrem. Die Strecke ist mega interessant und einfach nur toll.

Ich war davon ausgegangen, dass einfach nur eine lange, gerade und flache Strecke bis zum Nordkapp führt. Doch es geht immer wieder über Hügel, hoch und runter, Kurven nach links und rechts. Und immer wieder begegnen wir Rentieren. Sie stehen einfach so rum, auf der Straße, neben der Tankstelle, einfach überall und lassen sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Ich bin jedes Mal aufs Neue begeistert wenn wir eins sehen. Die sind aber auch süß. Dazu strahlt tatsächlich den kompletten Tag die Sonne und es ist keine einzige Wolke am Himmel zu sehen.

Ein Bruder von Justus 🙂

Nord, nördlicher, Nordkapp

An “das” Nordkapp wollen wir allerdings nicht – das mit der Weltkugel. Es kostet Eintritt und ist natürlich total überlaufen. Wir sehen es gar nicht ein, dafür Geld auszugeben und dann mit tausend anderen Leuten vor der Weltkugel herumzustehen. Wir wollen zum Knivskjelodden, der eigentlich nördlichere Punkt. Er liegt einige Kilometer daneben, ist allerdings nur durch eine neun Kilometer lange Wanderung zu erreichen, deswegen natürlich nicht so populär wie das Nordkapp, wo man bequem direkt mit dem Auto hinfahren kann.

Um 21 Uhr kommen wir am Wanderparkplatz an und der Plan war eigentlich am nächsten Morgen ganz früh loszulaufen. Doch das Wetter ist genau jetzt so wunderbar und hier oben weiß man nie, wie es umschlägt. Also entschließen wir uns kurzerhand dazu doch noch jetzt loszulaufen. Die Mitternachtssonne macht es möglich. Also schnell noch was essen und um viertel nach zehn geht es dann los. Mit Sonnenbrille in die Nacht, ein sehr lustiges Gefühl.

Sunglasses at night

Der Weg ist super entspannt, geht über viele Steine und Hügel, immer mit Blick Richtung Sonne, Richtung Norden. Um halb eins kommen wir an. Wow, wir haben es geschafft. Wir sind am nördlichsten Punkt und die Sonne lacht uns an. Es ist richtig schön hier. Wir sind direkt am Meer und genießen eine Weile einfach nur den Ausblick und das Gefühl hier zu sein. Auch haben wir einen wunderbaren Blick rüber auf das Nordkapp – ha, hier ist es viel schöner 😉

Eine Stunde später treten wir dann den Rückweg an. Der ist dann nicht mehr so entspannt. Es geht die ganze Zeit bergauf und wir sind verständlicherweise ziemlich müde. Aber die Sonne in unserem Rücken, die wieder aufgeht, stimmt uns froh. Gegen vier Uhr sind wir dann endlich im Bett und schlafen mit einem Lächeln auf dem Gesicht ein.

Blick auf das Nordkapp

Alles richtig gemacht

Der nächste Morgen begrüßt uns dann mit tief hängenden Wolken und Nebel. Wir freuen uns, die Wanderung noch in der Nacht gemacht zu haben und so ein einmaliges Erlebnis gehabt zu haben. Weil wir nicht gleich schon wieder so weit gen Süden fahren wollen, steuern wir Gjesvær an, ein Örtchen auf der Westseite der Insel Magerøya, auf der das Nordkapp liegt. Hier lassen wir einfach noch eine Weile die Seele baumeln und genießen unseren vorletzten Tag hier in Norwegen.

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