Norwegen — Værøy & Lofoten — Auf einmal umgeben von Menschen

Endlich geht es auf die Lofoten. Schon lange wollten wir hier her und freuen uns, dass wir endlich so weit im Norden angekommen sind. Im Internet lese ich dann über die kleine Insel Værøy, die einige Kilometer vor den Lofoten liegt und der Autor kommt aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. Die Fähre kostet nur 25 Euro mehr, wenn wir den kleinen Abstecher machen, also ist die Entscheidung schnell getroffen.

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Auf nach Værøy

Die Überfahrt verschlafen wir dann fast komplett. Zu sehen gibt es eh nicht viel – überall nur Wolken und Regen. Kurz bevor die Insel dann aber erreichen und man endlich etwas erkennen kann, sieht es dann ziemlich spektakulär aus. Die kleine Insel besteht fast nur aus Bergen. 700 Menschen wohnen hier – entweder in Sørland oder in Nordland. Eine Handvoll Straßen und einen Supermarkt gibt es auch. Wir sind gespannt.

Am Ende bleiben wir vier Tage und verbringen die meiste Zeit mit Wandern – viele andere Aktivitäten gibt es hier auch nicht. Es sind tolle Strecken und wir entdecken die unterschiedlichsten Seiten der Insel und nehmen wirklich jedes Wetter mit. Von strahlendem Sonnenschein über dichten Nebel, in dem wir keine zehn Meter weit schauen können, bis zu strömenden Regen. Es ist eine schöne und entspannte Zeit. Auch schaffen wir es endlich, uns um einige Dinge im Bus zu kümmern, die wir immer wieder aufgeschoben haben. Wir verbessern unsere Regale mit Brettern und Seilen und Justus bekommt ein neues Namensschild. Es ist wenig los hier, nur ab und an treffen wir andere Wanderer oder Radfahrer. Es ist super angenehm und entspannt und auch schön mal für ein paar Tage nicht zu fahren.


Das haben wir uns anders vorgestellt

Am Sonntagabend ist es dann soweit. Um 22 Uhr geht unsere Fähre auf die Lofoten. Endlich. Aber dann sind wir relativ schnell ziemlich enttäuscht. Es ist so touristisch hier. Wir kommen uns teilweise vor wir auf einer Wohnmobil-Messe. Auf dem Parkplatz des kleinen Örtchens Å sind wirklich alle Modelle vertreten. Die engen Straßen sind überfüllt und die Leute parken teilweise auf die unmöglichste Art und Weise. Selbst auf Hauptstraßen stehen Parkverbot-Schilder. Verrückt, dass das nötig ist.

Wir waren bis jetzt meistens ziemlich alleine auf den Straßen und an den Orten an denen wir standen. Klar, das mag daran liegen, dass die Saison noch nicht gestartet hatte und dass wir immer versuchten abseits der großen Straßen zu fahren. Aber hier sind wir plötzlich mitten drin im Touristen-Hotspot. Mir ist das viel zu viel. Ich habe das Gefühl, dass ich, je länger wir unterwegs sind, mehr und mehr zu einem kleinen Einsiedlerkrebs werde. Ich bin so viele Menschen einfach nicht mehr gewöhnt.

Die Sonne macht’s möglich

Nichtsdestotrotz ist es super schön hier. Die roten Häuser, das türkisfarbene Wasser und die Berge mit ihren Schneetupfern. Einfach herrlich und wir können immer wieder nur stauen, wenn wir fahren. Und wir finden auch hier einen kleinen, ruhigen Platz für uns, in der Nähe von Fredvang. Dort machen wir eine tolle Wanderung zum Kvalvika Beach und von dort auf einen Berg, den Ryten. Wir brechen erst um 19 Uhr auf. Eine tolle Sache, wenn die Sonne nie untergeht. Wir können uns einfach nach dem Wetter richten und losziehen, wenn es passt. Noch um 23 Uhr ist voller Trubel auf dem Berg.

Kvalvika Beach

Kvalvika Beach von oben

Oben auf dem Ryten

Oben auf dem Ryten

Blick auf den Fredvang Strand

Wunderbare Mitternachtssonne

Der nächste Platz ist das komplette Gegenteil von dem die Nächte davor. Es ist ein großer Parkplatz am Haukland Beach, DEM Strand hier in der Gegend. Er ist wunderschön und die Sonne lacht vom Himmel. Der Parkplatz ist schon am Nachmittag total überlaufen und wir überlegen ewig hin und her wo wir uns hinstellen, damit wir einen schönen Platz haben und auch niemanden im Weg stehen. Später merken wir, das die meisten anderen da nicht so feinfühlig sind. Jeder freie Meter wird genutzt und je später der Abend, desto verrückter parken die Camper.

Haukland Beach

Haukland Beach Parkplatz

Ein Sturm zieht auf

Wir ziehen weiter gen Norden. Und dann beginnt der Sturm. Am ersten Abend erst leicht – wobei wir selbst da schon ziemlich durchgeschüttelt werden. Beim Fahren hat Mark richtig Probleme in der Spur zu bleiben und muss das Lenkrad richtig umklammern. Der Weg über die Brücke ist dann richtig lustig. An einem Parkplatz halten wir kurz, um ein paar Bilder zu machen und als wir wieder einsteigen wollen und beide Türen geöffnet haben, werden all unsere Sachen förmlich aus dem Fahrerhaus katapultiert. Wow, ziemlich kräftig dieser Wind. Später erfahren wir, dass die Brücke kurz danach auch gesperrt wurde. Ein Auto mit Wohnwagen ist trotzdem drüber gefahren und wurde von einer Windböe erfasst und ist fast die Brücke heruntergesetzt. Wir haben ein Video im Internet gesehen, sah ziemlich spektakulär aus.

Unser heutiges Ziel ist ein kleiner Campingplatz. Wir wollen mal wieder Wäsche waschen und kein Campingplatz hat uns erlaubt die Waschmaschinen zu benutzen, ohne dort zu schlafen. Waschsalons gibt es hier auch nicht in Norwegen, jedenfalls nicht hier in der Pampa. Ein richtig windgeschützten Platz finden wir dort dann leider nicht. Irgendwie peitscht der Wind, egal wie wir stehen, gegen das Auto und lässt es einige Male richtig wackeln. – ein ziemlich unangenehmes Gefühl. Gut, dass wir uns in die Küche vom Campingplatz flüchten können und dort einen ruhigen und geschützten Platz haben.

Ob wir wohl auch umkippen?

Aus dem Fenster beobachten wir einen Radfahrer, der gerade angekommen ist und versucht sein Zelt aufzustellen. Er hat ziemliche Probleme und auch wird sein Zelt aufgerissen. Aber er gibt nicht auf und irgendwann steht es, sieht aber nicht sonderlich stabil aus. Am späten Abend gibt er dann doch auf und nächtigt auf dem Küchenfußboden. Wahrscheinlich die bessere Entscheidung. Auch der Besitzer vom Campingplatz hat so seine Probleme. Sein Wohnwagen wird durch einen Windstoß um einen halben Meter versetzt. Sicherheitshalber bindet er ihn danach an seinen Trecker fest. Das Wetter ist echt spektakulär. Auf dem Wasser entstehen immer wieder Wasserwirbel, die die verrücktesten Formationen annehmen.

In der Nacht bekomme ich dann kein Auge zu. Das Gewackel ist ziemlich anstrengend und irgendwie auch gruselig. Der Wind pfeift dazu ziemlich laut und immer wieder wird Kies gegen das Auto gewirbelt. Zu sehen auch am nächsten Tag, als wir einige Lackschäden entdecken. Die ersten Narben für den armen Justus. Er hat übrigens in diesem Sturm seinen 35. Geburtstag gefeiert. Die Gelegenheit haben wir natürlich genutzt und uns einen 12 Euro Sekt (der Günstigste) gegönnt. Dazu gab es dann noch Fußball auf dem Laptop. Ein gelungener Abend 😉

Rolf’s Bar

Der letzte Abend auf dem Lofoten soll dann unser schönster werden. Freunde von uns, die kurz vorher hier waren, erzählen uns von “Rolf’s Bar”. Sie geben uns die Koordinaten und sagen uns wir sollen unbedingt dort hin. Nach einem kleinen Besuch in der zuckersüßen Stadt Henningsvær am Vormittag, steuer wir den Ort an. Und wir sind nicht enttäuscht. Total unscheinbar und etwas versteckt steht eine kleine, rustikale Hütte, die an eine Bar erinnert. Es gibt einen Ofen einen Tisch mit Bänken und jede Menge Zeug von Reisenden aus der ganzen Welt. Es ist ein wunderbarer Ort, der hier ist, um von jedem genutzt zu werden. Einfach eine tolle Idee. Nabenan steht auch noch eine etwas “modernere” Hütte. Diese ist total schön und ist ein Platz zum Übernachten für Reisende. Man braucht nur seinen Schlafsack und schon hat man ein tolles Fleckchen.

Rolf’s Bar von außen

Rolf’s Bar von innen

Rolf’s Bar von innen

Hier lernen wir dann auch Ida und Lars kennen. Zwei Norweger von der Nachbarinsel. Sie waren Wandern und schlafen nun hier in ihrem Zelt. Sie sind so super lieb und wir fühlen uns total wohl hier. Später kommt auch noch Christoph dazu, ein Franzose, den wir auf dem Campingplatz Rystad kennengelernt hatten und mit dem wir uns auch sofort richtig gut verstanden haben. Er ist 63 und in Rente. Seine Frau ist jünger und muss noch arbeiten. So zieht er immer wieder mit seinem alten Camper alleine durch die Gegend und lässt es sich gut Gehen. Er hat natürlich auch einen guten französischen Wein dabei. Welch Genuss.

Die “moderne” Hütte links und der Fuhrpark rechts

Ausblick aus der Hütte

Ida und Lars

Wir haben ein neues Ziel

Ida und Lars wohnen auf den Vesterålen und legen uns sehr ans Herz dort hinzufahren. Es sei nicht so touristisch und die Landschaft ein Traum. Sie geben uns viele Tipps und markieren einige Orte auf unserer Karte, die wir uns anschauen sollen. Gesagt, getan. Am nächsten Morgen fahren wir direkt zur Fähre und setzen über.

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