Norwegen — Voss bis Vassbygdi — Immer entspannt bleiben

Hoch oben über Vassbygdi

Unser nächster Stopp ist Voss. Ein kleines Örtchen in einem Skigebiet. Zu dieser Jahreszeit ist nicht sonderlich viel los und die Pisten und Lifte sind verwaiste Flecken in der Landschaft. Uns ist das egal, sind ja eh keine Wintersportler.

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Schlemmertag für Justus

Erstmal wird eh unser Justus versorgt: wir entsorgen das Grauwasser und füllen Frisches in den Tank. Dann wird noch getankt und auch die erste Gasfüllung steht an. Eine Premiere. Bisher mussten wir noch nie nachfüllen, da wir die Gasgeräte in Deutschland nicht wirklich benutzt hatten.

Etwas planlos stehen wir an der LPG-Tankstelle und wissen nicht so richtig, ob wir vorher noch irgendwelche Hebel umlegen müssen und wie genau man die Anlage benutzt. Wir wollen nichts falsch machen. Die Angestellte ist zunächst auch etwas überfordert, noch nie hat sie so einen alten Gastank gesehen. Tja im Land der Elektrofahrzeuge sind wir mit unserem Oldtimer schon irgendwie ein Exot. Ihr Chef hilft uns dann netterweise und zeigt uns, wie easy das Betanken doch ist.

Unser Schlafplatz im Skiörtchen Voss

Andere Umstände erfordern andere Maßnahmen

Es ist eh immer wieder interessant zu merken, mit welch anderen Dingen man sich plötzlich beschäftigen muss, wenn man so lebt wie wir. Wo gibt es Wasser, wo können wir die Toilette entsorgen und wie lange hält der Tank noch? Dadurch bekommen die Ressourcen eine viele höhere Wertigkeit und wir gehen um einiges ehrfürchtiger und sparsamer mit allem um. Es ist toll diese Erfahrung zu machen.

Wir entscheiden uns hier in Voss für zwei Tage zu bleiben. Von der ganzen Fahrerei sind wir etwas müde und brauchen mal eine kleine Pause. So viel unterwegs zu sein, kann auf Dauer auch manchmal anstrengend werden – hätte ich nie gedacht. Die ganzen neuen Eindrücke und Dinge, die man erlebt müssen halt auch irgendwann verarbeitet werden. Wir nutzen die Ruhe, um endlich unser Mückengitter zu bauen. Nach eignen Anlaufschwierigkeiten bekommen wir es dann auch super hin. Ein Meisterwerk. Und es fühlt sich so gut an, mal wieder das Werkzeug in den Händen zu halten.

Klack, klack, klack

Am Abend verlangt mein Körper nach einer Dusche. Also schnell aufs Dach gekrabbelt, die Klappe vom Boiler entfernt und angeschaltet. Alles wie immer. Doch dann “Klack”, der Boiler läuft auf Fehler. Egal, nochmal. Er läuft, doch nach einem Moment wieder dasselbe. Immer wieder probieren wir es und können uns nicht erklären, was da los ist. Dann höre ich auch den Kühlschrank ein leises “Klack, klack, klack” von sich geben, das Geräusch, dass er nicht zünden kann. Ok, Herd an und nach 30 Sekunden verschwindet auch diese Flamme wieder.

Hä, was ist denn jetzt los? Wir wissen nicht so richtig wie uns geschieht und was wir tun sollen. Wir haben doch gerade neues Gas aufgetankt. Kann da etwas schiefgelaufen sein? Ich bin etwas am Boden und rechne mit dem Schlimmsten. Mark beruhig mich und ruft den Herrn Sülze an, ein Gas-Wasser-Installateur, der uns schon in Deutschland mit dem Anschluss unseres Boilers so lieb geholfen hatte. Seine Lebensgeschichte gab es gratis dazu. Er sagt, dass es an einem schlechten Mischungsverhältnis von Propan zu Butan liegen könnte, wir sollen doch bei der Tankstelle mal nachfragen.

Immer entspannt bleiben

Gesagt, getan. Die versichern uns allerdings, dass es sich um 100 Prozent Propan handelt. Hm naja, mal abwarten. Und was soll ich sagen, am nächsten Tag funktionierte alles wieder einwandfrei – sogar irgendwie besser als vorher. Was da los war, wissen wir bis heute nicht und das Problem hatten wir auch nie wieder. Ich habe dadurch mal wieder gelernt, dass man einfach entspannt an alles herangehen und sich nicht immer zu viele Gedanken machen sollten. Am Ende findet sich doch immer irgendwie eine Lösung oder die Probleme lösen sich in Luft auf.

Blick auf den Aurlandsfjorden bei Flåm

Mit 75 PS den Berg hinauf

Nicht weit von hier liegt das Aurlandsdalen, ein wunderschönes Tal zwischen Vassbygdi und Østerbø. Dort gibt es natürlich auch einen Wanderweg, den wir unbedingt machen wollen. Auf dem Weg zum Ausgangspunkt kommen wir an dem wunderschönen, kleinen Örtchen Flåm vorbei. Wir genießen die Sonne am Fjord, bevor es dann hinter Aurland steil bergauf geht. Die Strecke ist spektakulär und Justus müht sich (mal wieder) im zweiten Gang hinauf. Je weiter wir fahren, desto abenteuerlich wird der Weg. Auf Serpentinen schlängelt sich die Straße teilweise übereinander und durch Tunnel nach oben. Diese sind hier in Norwegen auch ziemlich interessant. Meistens stockdunkel und ganz simpel gebaut. Keine “verkleideten” Wände, sondern einfach nur Fels. Sieht mega cool aus und was braucht man auch mehr. Auf dieser Strecke sind sie auch oft einspurig. Interessant, wenn einem in der Dunkelheit ein dicker LKW entgegenkommt.

Als wir oben ankommen, werden wir mit einer traumhaften Aussicht belohnt. Wir stellen uns direkt an die Kante und haben so einen tollen Blick auf die umliegenden Berge und den See. Einige Meter neben uns plätschert ein Wasserfall in das Tal. Aufgrund der traumhaften Lage scheint es auch der Touristen-Hotspot zu sein. Mehrmals am Tag halten große Reisebusse und spucken eine Horde an Menschen aus. Sie springen zum Aussichtspunkt und schießen ihre Fotos. Wir beobachten sie dabei amüsiert von drinnen. Es ist witzig zu sehen, wie sie sich vor unserem Fenster tummeln und für ihre Fotos posieren. Wie oft dieser Berg wohl im Jahr fotografiert wird? (Wir haben natürlich auch ein Foto gemacht, ist ja klar.) 

Blick auf den Vassbygdevatnet

Und endlich arbeiten wir auch mal

Hier bekommen wir auch unseren ersten kleinen Auftrag. Eine Agentur, für die Mark in Stuttgart schön öfter gearbeitet hatte, braucht Unterstützung. Da sind wir natürlich zur Stelle. Es fühlt sich gut an, mal so richtig zu arbeiten und es klappt auch super im Bus. Mit unseren Laptops und dem mobilen Router haben wir alles was wir brauchen. Wie immer zieht sich das Arbeitspensum in die Länge und wir sitzen bis spät abends vor den Rechnern.

Eigentlich wollten wir den Tag darauf dann zur Wanderung starten, aber da das Wetter nicht so richtig mitspielt und wir noch etwas zu tun haben, verschieben wir sie auf den nächsten Tag. Aber auch da ist es ziemlich trüb und regnerisch.

Wir überlegen, ob wir überhaupt noch warten sollen oder es einfach bleiben lassen. Eigentlich ist es auch noch nicht wirklich die beste Jahreszeit für diesen Weg. Es ist Anfang Mai und die Busse die einen zum Track bringen, fahren erst ab dem 20. Juni. So müssen wir eh schauen, wie wir nach der Wanderung wieder zurück zu unserem Justus kommen. Wir wollen trampen, aber bei den wenigen Autos die hier am Tag fahren, sind wir uns gar nicht so sicher, ob das überhaupt klappt. Mit unserer neugewonnen Gelassenheit sehen wir dem ganzen dann aber doch entspannt entgegen.

Wir einigen uns darauf noch den nächsten Tag abzuwarten und tada, die Sonne weckt uns mit ihren Strahlen und es scheint ein traumhafter Tag zu werden. Also starten wir zur Wanderung.

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