Schweden — Abisko — Die Spontanität lebe hoch

Wir wollten jetzt weiter, mal einen größeren Schritt machen und ein paar Kilometer fahren. Als nächstes größeres Ziel schwebt uns Tromsø vor. Wir hörten, dass es eine tolle, junge Stadt sein soll. Da haben wir Bock drauf. Also los gehts, erstmal Richtung Narvik. Dort in der Nähe wollen wir uns einen Schlafplatz suchen.

— Translate?
English Deutsch


Mitfahrer sind herzlich willkommen

Irgendwo auf der E10 gabeln wir dann Iva auf. Sie kommt aus der Tschechischen Republik und wohnt zur Zeit in Polen. Sie ist hier in Norwegen im Urlaub und versucht per Bahn und durchs Trampen an ihre Ziele zu kommen. Wie wir, war sie auch gerade auf den Lofoten und ihr nächstes Ziel ist Narvik bzw. will sie danach nach Absiko in Schweden, um dort den Kungsleden zu wandern. Wir nehmen sie bis kurz vor Narvik mit, da es für uns von da Richtung Norden geht.

Sie ist eine super liebe Mitfahrerin und super happy, dass wir sie mitgenommen haben. An einer Tankstelle lassen wir sie weiterziehen und begeben uns auf die Suche nach einem Schlafplatz. Wir fahren ein wenig in der Gegend herum und sehen dabei überall die Holzhaufen, die die Norweger errichtet haben, um sie am Abend zur Sommersonnenwende anzuzünden. Midsommar steht vor der Tür. Wir haben von Ida und Lars allerdings erfahren, dass dieser Tag in Norwegen gar nicht so groß gefeiert wird. Ist eher so ein schwedisches Ding.

Midsommar steht vor der Tür

So fahren wir und reden über Midsommar und kommen auf die Idee, dass es doch eigentlich schön wäre dieses besondere Fest mitzuerleben. Wir schauen auf die Karte, es sind “nur” 80 Kilometer bis nach Abisko, der ersten “Stadt” in Schweden. Dort gibt es für Midsommar auch ein kleines Programm mit Musik, Tanz und Kuchen bei der “Touriststation”, dem Beginn des Kungsledens. Das klingt super. So entscheiden wir kurzerhand dort hinzufahren. Wir haben ein leichtes schlechtes Gewissen, Iva wollte ja auch genau hier hin – so fahren wir noch mal zurück zur Tankstelle, doch sie ist nicht mehr da.

Wir sind so happy. Genau das ist das Besondere an unserem neuen Leben. Wir können hinfahren, wohin wir wollen und wann wir wollen. Dieses Freiheitsgefühl beflügelt uns und mit einem breiten Grinsen geht es Richtung schwedische Grenze. Und ab da ändert sich die Landschaft so plötzlich. Wir können es gar nicht fassen, dass sich die Natur auf so kurzer Distanz so drastisch ändern kann. Wir schauen heraus und staunen und lieben dieses Schweden schon jetzt.

Mitten im Nirgendwo

Unsere Basis finden wir auf einem Parkplatz hinter der Touriststation. Dies ist ein Hotel bzw. Wanderheim für Wanderer von überall, die hier zu ihren großen und kleinen Touren starten. Es ist wunderbar hier, überall Menschen mit großen Rucksäcken. Wir befinden uns tatsächlich mitten im Nirgendwo. Dieser Ort, wenn man ihn so nennen kann existiert wahrscheinlich nur wegen der Touristen und dem Kungsleden, dem Fernwanderweg der hier startet. Außer dem Wanderheim und einem kleinen Supermarkt mit Süßigkeitenshop ein Stück weiter, gibt es hier nichts. Nur Berge, Seen und endlose Natur – ein Traum.

Ein schönes kleines Fest

Midsommar ist ein schöner Tag. Das Wetter ist auf unserer Seite. Wolkig, aber kein Regen. Zur Feier des Tages gönnen wir uns den angebotenen Brunch. Wir machen uns schick und hauen uns die Teller und die Kaffeetassen voll. Richtig klasse mal wieder so zu schlemmen und sich etwas zu gönnen. Man merkt, welch besonderer Tag dies für die Schweden ist. Es ist ein kleiner Zauber in der Luft und überall sehen wir Blumenkränze auf den Köpfen der Mädels.

Um 14 Uhr steht Tanzen und Singen um die Majstång (Mittsommerstange – geschmückter Baumstamm) an. So süß. Alle sind dabei und voller guter Laune. Danach gibt es Erdbeertorte und Kaffee für alle. Wir hatten uns das Fest etwas größer und spektakulärer vorgestellt, aber auch so war es ganz nett und gab uns einen kleinen Einblick in die schwedische Feierkultur. Und dann treffen wir auch Iva wieder. Sie ist auch gestern noch bis Absiko gekommen und musste auch nur einige wenige Minuten auf einen Lift warten. Wir sind froh. So verbringen wir den Rest des Tages gemeinsam, bis sie zur ihrer Wanderung aufbricht. Abends spielt in der Bar noch eine Band. Es ist nett, aber die Stimmung ist eher zurückhaltend. So wechseln wir nach oben in die Lobby und lernen dort einige der hier Angestellten kennen. Sie nehmen uns ganz lieb auf und wir haben einen tollen Abend mit ihnen und fühlen uns hier ganz schnell ziemlich heimisch.

Wandern oder nicht wandern?

Der Kungsleden war schon immer ein Traum von uns beiden. Eigentlich wollten wir ihn erst später, im Juli oder August machen. Doch nun sind wir hier und das Wetter scheint auch ziemlich gut zu werden. So entschieden wir, nach kurzer Diskussion, den Kungsleden doch jetzt zu machen.

Wir müssen allerdings noch ein wenig arbeiten und auf die Rückmeldung von Kunden am Montag warten. So bleiben wir noch drei weitere Tage hier und verbringen einen Großteil unserer Zeit mit unseren Laptops in der Lobby des Wanderheims. Auch können wir hier das WM-Spiel Deutschland gegen Schweden schauen und finden an dem Abend verständlicherweise nicht so viele neue Freunde. Mit zwei Deutschen, die seit einigen Jahren in Göteborg wohnen, kommen wir dann aber ins Gespräch und haben einen super netten Abend mit leckerem, schwedischem Bier.

Zucker in Massen

Die Tage nutzen wir dann natürlich auch, um uns auf die Wanderung vorzubereiten. Es sind 110 Kilometer, von Absiko bis nach Nikkaluokta. Wir planen sieben Tage ein. Wir besorgen hier noch einige Dinge und machen einen Proviant-Einkauf im 35 Kilometer entfernten “großen” Supermarkt. Und wow, was dort abgeht – es kaufen hauptsächlich Norweger ein, da die Preise hier im Vergleich um einiges niedriger sind. Vor allem was Süßes angeht. Die Zuckersteuer in Norwegen ist so hoch, dass man sich alles von Schokolade, über Kekse bis zur Limo kaum leisten kann. So packen sich die Norweger die Einkaufswagen voll und laden palettenweise Cola auf. Vier Mitarbeiter sind ununterbrochen dabei, die Regale wieder aufzufüllen. Auch wir machen mit, beim Kaufen, nicht beim Auffüllen. 😉 So lange haben wir fast komplett auf Kekse und Co. verzichtet. Abends haben wir einen regelrechten Zuckerschock und sind richtig aufgedreht. Das Einkaufen macht bei diesen Preisen dann auch wieder etwas mehr Spaß. Wir kaufen den kompletten Proviant für die nächste Woche und vollbepackt geht es zurück zu unserer “Basis” in Abisko. 

An diesem Abend entdecken wir dann noch einen jungen Elch quasi direkt vor unserer Haustür. Seelenruhig kaut er vor sich hin und lässt sich durch unsere neugierigen Blicke nicht aus der Ruhe bringen. Wir sind richtig ergriffen. Elche sind so schöne und stolze Tiere, einfach schön.

Unsere “Basis” in Abisko

Morgen startet dann unsere Wanderung, wir sind so gespannt, wie es wird und wie es sich anfühlen wird unseren Justus so lange zurückzulassen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.