Schweden — Abisko — Unter Freunden

Wir waren vom Kungsleden zurück in Abisko angekommen. Und was passiert dann als wir direkt im Supermarkt stehen? Von der anderen Seite ertönen laute Rufe: „Hey Mark! Was geht?″ Ach, es ist beinahe wie in Stuttgart. Beinahe wie unter Freunden. Wir fühlen uns in Abisko sehr wohl und bleiben noch fünf Tage hier. Nicht ohne dabei zu arbeiten.

Abisko: Fast wie Daheim

Es war Adrian, ein Amerikaner, der uns so lautstark begrüßte. Er ist über längere Zeit hier in der Forschungsstation, nicht weit vom Wanderheim entfernt. Er befasst sich hauptsächlich mit Bodenproben. Aber mehr darf man mich dazu nicht fragen. Ehrlicherweise habe ich es nicht hundertprozentig verstanden. Wir haben ihn vor unserer Wanderung kennengelernt, als wir schon ein paar Tage hier verbrachten.

Das war sowieso so ein Abend, der uns extrem gut gefallen hatte. Wir haben an Mittsommer quasi die gesamte jüngere Belegschaft der Touriststation, die hier über die Hochsaison arbeiten, und die Studenten der hiesigen Forschungseinrichtung kennengelernt. Nicht ohne ein paar Bier miteinander zu trinken. Später ging es dann noch zu denen ins Wohnheim. After-Party, yeah! Seitdem laufen uns ständig bekannte Leute entgegen und man unterhält sich kurz. Es fühlt sich so an, als ob man in einer Parallelwelt ist, die aus Auslandssemester und Schullandheim besteht.

In der Bar des Wanderheims arbeitet auch Rickie, der Barkeeper. Wir verstehen uns prächtig. Er kommt aus Göteborg. Ein richtig guter Kerl mit einem großen Herzen und jeder Menge (schwarzem) Humor. Ohne das er es weiß trinke ich, durch seine Offenheit und obwohl ich es nicht sollte, ein paar teure Bier mehr an der Bar. Ich erinnere euch daran: 0,5 l Bier = 7,50 €. Das kann man nicht lange so machen und daher kaufen wir teilweise auch Bier im Supermarkt.

Sich keinen Kopf machen

Justus und “unser Alltag” haben uns wieder. Wir müssen uns erneut mit unseren alltäglichen Fragen und Problemen beschäftigen. Wir stehen immer noch auf dem Wanderparkplatz. Schon fast seit Beginn war unser Wassertank leer. Da wir uns spontan für diese Route entschieden, vergaßen wir uns darum zu kümmern. Leider gibt es hier weit und breit keine Wasserstation. Somit laufen wir beinahe täglich mit fünf leeren Plastikflaschen hin und her und füllen so unseren Wassertank immerhin ein wenig auf. Geht auch, ist nun wirklich kein Problem. Da muss man auch mal durch.

Nach einer E-Mail wird ein weiteres Problem schlagartig minimiert. Eine Stuttgarter Agentur schreibt uns an und fragt, ob wir die nächste Woche Kapazitäten frei hätten. Ich schaue kurz um mich, blicke raus und verinnerliche mir unsere weitere Route, frage Jana, wie ihr Plan so aussieht und gebe dann das GO. Super, wenn so etwas passiert und wir neben diesem traumhaften Leben auch noch Geld verdienen können. Die Touriststation ist dabei eine große Hilfe, denn seit diesem Tag sind wir noch mehr Dauergast in der „Hotel-Lobby″.

Jesper, du verrückter Kerl

Eine weitere tolle Bekanntschaft durften wir dann auch noch erleben. Wir lernten Jesper beim Arbeiten in der Lobby kennen. Er lernte gerade für seinen Sommerkurs hier in Abisko. Er studiert Biologie in Uppsala und ist Halb-Schwede. Ich hatte ihn bereits vorher beim WM-Spiel Deutschland gegen Schweden gesehen, aber nicht mit ihm geredet.

Wir verbrachten drei schöne Tage zusammen. Wir schauten Fußball, aßen zusammen, machten Feuer bis früh morgens und tauschten uns über Land und Leute aus. Ein sehr interessanter Typ. Er hat auch schon einiges erlebt. Wir könnten, zumindest ein halbes Buch über die Stories mit ihm füllen. Das würde jedoch diesen Beitrag hier um Längen sprengen.

Alles hat ein Ende

Obwohl wir die Zeit genossen und wir noch länger bleiben könnten, juckte es uns in den Fingern weiter zu kommen. Wir wollten die nächsten Tage wieder Strecke machen. Das Problem mit dem leeren Gastank erleichterte uns die Entscheidung. Wir verabschiedeten uns bei allen die wir noch so die letzten Tage sahen und stiegen in unseren Justus. Als wir losfuhren erkannten wir nicht mehr die Geräusche beim Fahren und auch das Lenken und Gas geben wirkte anders. „Klang das wirklich so?″ „War der immer schon so leise?″ „Krass, wie der sich so fährt.″ So schnell geht das also sich von gewohnten Mechanismen zu lösen. Wir kennen es ja nur zu gut seit dem Beginn unseres neuen Lebens. Es war trotzdem verrückt es bei unserem Justus so zu spüren, unserem rollenden Zuhause!

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